Werner Plate
Werner Plate

Was bedeutet die Coronakrise?

Brief vom 26. April 2020

 

 

 

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Um die derzeitige Situation besser zu verstehen, müssen wir uns auf einen zentralen Aspekt dieser Krise konzentrieren: Die Menschheit befindet sich in einem explosionsartigen Prozess der Vernetzung.  Auf der körperlichen und auf der geistigen Ebene. Emotionen und damit verbundene Handlungen sind zwangsläufig mit einbezogen. Dabei helfen uns die modernen Transportmittel, mit denen wir in immer kürzerer Zeit, große Distanzen zurücklegen können, und die digitalen Kommunikationsmittel, durch die sich jedes Individuum, mit jedem anderen Individuum auf diesem Planeten, in Beziehung setzen kann. Diese Hilfsmittel stehen uns erst seit wenigen Jahrzehnten zur Verfügung, aber in dieser kurzen Zeit haben sie das Tempo der Vernetzung extrem beschleunigt. Jetzt nähern wir uns dem vielleicht wichtigsten Wendepunkt in der Evolution der menschlichen Rasse. Wie der weitere Weg der Menschheit sein wird, wird sehr stark davon abhängen, welche Anteile der menschlichen Persönlichkeit, unser weiteres Handeln bestimmen werden.
 
Das Anwachsen von Beziehungsfähigkeit und das damit verbundene größere Netzwerk miteinander verknüpfter Individuen ist ein zentrales Merkmal fortschreitender Evolution, einzelner Individuen, als auch der gesamten Rasse. Die Coronakrise ist eine Begleiterscheinung dieses Prozesses.     

Jäger und Sammler

Die Entwicklung der menschlichen Rasse von den ersten Amöben bis zum modernen Menschen erstreckt sich über viele Millionen von Jahren. Wir beginnen unsere Beobachtung mit der Zeit der Frühmenschen vor ca. 2.000.000 Jahren.  Diese Menschen lebten als Jäger und Sammler in kleinen Gemeinschaften von maximal 100 Individuen. Sie blieben nur solange an einem Ort, wie er genügend Nahrung für den Stamm bereithielt.  Dann zogen sie weiter. Auf diese Weise lebten die Menschen Hunderttausende von Jahren. Die Menge der miteinander verbundenen Individuen blieb begrenzt, weil nur so das Überleben und die Entscheidungsfähigkeit der Gemeinschaft gesichert werden konnte. Nach sehr, sehr langer Zeit, ungefähr 18.000 Jahre vor Christus, geschah eine große Veränderung: Die ersten Menschen machten sich ansässig.

Landwirtschaft und Sesshaftigkeit
 
Die Zeit des Ackerbaus und der Nutztiere begann, die Gemeinschaften vergrößerten sich, abhängig davon, wie viele Menschen das Land versorgen konnte.  In den folgenden Jahrtausenden entstanden Dörfer und Städte. Die Beziehungsnetzwerke wuchsen an, auch weil es mit der Hilfe von Tieren möglich wurde, weitere Strecken zurückzulegen und Handel zu treiben. Aber der Aktionsradius der Menschen war auf dieser Stufe der Evolution noch sehr begrenzt. Deshalb entwickelten sich separate Gemeinschaften und Kulturkreise mit sehr unterschiedlichen Gesetzen, Glaubenssystemen und sozialen Regeln. 
 
Industrialisierung

Im Vergleich zum ersten großen Entwicklungsschritt, der sich über Millionen von Jahren erstreckte, sehr schnell, erreichte der Mensch ca. 1700 nach Christus mit der Industrialisierung, den nächsten Wendepunkt seiner Entwicklung. Mechanische Transportmittel lösten die Tiere ab. Dadurch wurde es möglich, größere Distanzen zu überwinden und in Kontakt und Handel mit Menschen anderer Länder zu sein. Ansiedlungen und materieller Besitz vergrößerten sich. Menschen begannen sich mit Staaten und Kontinenten zu identifizierten. Der Kontakt mit anderen Glaubenssystemen und Kulturen führte zu einer höheren Beweglichkeit des geistigen Feldes.  Auch die Beziehungsnetzwerke wuchsen mit großer Geschwindigkeit. Aber noch hatten viele Menschen nicht die Mittel und die Möglichkeiten, sich mit einer größeren Anzahl anderer Individuen zu vernetzen.

Digitalisierung
 
Ungefähr 250 Jahre später, ab ca. 1950, leitete die Digitalisierung die nächste Stufe der menschlichen Entwicklung ein. Die Menschen begannen sich nicht nur materiell, sondern auch geistig zu vernetzen. Wenn wir die menschliche Evolution auf diese Weise betrachten, wird deutlich, wie sehr sie sich beschleunigt und in welchem Tempo die Vernetzung von Individuen heute voranschreitet. Jetzt sind wir an einem sehr wichtigen Punkt der menschlichen Entwicklung angelangt. Durch die digitale und materielle Vernetzung nähern sich Menschen der unterschiedlichen Kulturen immer weiter an. Sie vermischen sich. Heute gibt es zum Beispiel fast in jedem Land der Welt, Gemeinschaften der unterschiedlichen Religionen. Auch wirtschaftlich sind die Länder der Erde eng miteinander verbunden. Wir sind jetzt in einem globalen Vernetzungsprozess, an dem alle Individuen beteiligt sind, bzw. beteiligt sein werden.
 
Es wächst aber nicht nur die Anzahl der miteinander verbundenen Individuen an, auch die Möglichkeit für globale Krisen und gemeinsame Erfahrungen nimmt zu, wie zum Beispiel die derzeitige Coronakrise, weltweite wirtschaftliche Turbulenzen oder globale kriegerische Auseinandersetzungen.
 
Die Coronakrise ist so betrachtet eine unvermeidbare Begleiterscheinung der globalen Vernetzung von Individuen.  Dieses Ereignis sollte als Hinweis angesehen werden, dass es heute ganz neuer Handlungs- und Denkweisen bedarf, um zur nächsten Stufe unserer Entwicklung voranzuschreiten. Jetzt ist eine wichtige Übergangszeit.
 
Evolution ist nicht rückgängig zu machen.

Wie der Baum nicht in den Samen zurückkehren kann, so kann die Menschheit nicht wieder in alte Stammesstrukturen zurück. Außer natürlich durch eine globale Katastrophe, die nur wenige überleben lässt.  Was niemand will. Aber auch diese Gefahr besteht.
 
Diese völlig neue Situation kann nur eine geeinte Menschheit bewältigen, deshalb sind alle Bestrebungen, Staaten und Menschen zu vereinen, in Einklang mit den Erfordernissen. Alle Versuche, sich abzuschotten und von einem Zurück zu Nationalstaaten zu träumen, sind meiner Ansicht nach, nicht in Einklang mit den Erfordernissen und erhöhen die Gefahr größerer Katastrophen. Es ist also die Frage, was die Menschheit aus dieser Krise lernt.

Jetzt ist die Zeit innezuhalten und neue Verhaltensweisen zu etablieren.
 
Die Evolution der menschlichen Rasse strebt ihrer Vervollständigung zu. Von unserem Strukturmodell aus betrachtet, stehen wir auf der Schwelle zur fünften Ebene, zum Zentrum und zur Quelle aller bisherigen Ereignisse.  Das ist ein entscheidender Schritt der menschlichen Evolution und entsprechend intensiv die damit verbundenen Erfahrungen. Ich selbst bin in der vordigitalen Zeit geboren und habe hautnah miterlebt, wie schnell die Entwicklung im Verlauf meines kurzen Lebens vonstatten ging. Viele Menschen sind davon überfordert und wollen am liebsten die Uhr zurückdrehen. Aber das ist nicht möglich und auch nicht in Einklang mit dem natürlichen Lauf der Dinge.
 

Gibt es Hinweise, die uns helfen können, in dieser wichtigen Zeit, richtig zu handeln?
 
Die Menschheit ist global vernetzt und dieser Prozess wird sich weiter beschleunigen. Menschen unterschiedlicher Kulturen und Glaubenssysteme werden weiter zusammenwachsen. Unterschiede können zu Konflikten führen, wenn einige meinen, sie müssten jetzt ihren Glauben, ihr politisches System, anderen aufzwingen. Aber das wird nicht gelingen. Dazu sind Menschen zu unterschiedlich. Hilfe werden wir in dieser Zeit weder in den Religionen noch in den politischen Systemen finden.  Dies ist ein globales Beziehungsnetzwerk. Ein Netzwerk von einzelnen Individuen. Deshalb liegt auch alles Weitere in der Hand jedes einzelnen Mitglieds dieser Gemeinschaft.  Jetzt geht es darum, die schöpferische Kraft zu erkennen und zu nutzen, die die Natur jedes Individuums ist.
 
Sanatana Dharma

Da die menschliche Evolution sichtbar darauf angelegt ist, Menschen zu verbinden und nicht voneinander zu trennen, sollte dies auch ein Anliegen jedes einzelnen Menschen sein. Von daher ist es naheliegend, dass Handlungen, die Menschen voneinander trennen, die die Integrität von Menschen verletzen, nicht in Einklang mit unseren tiefsten Bedürfnissen und mit dem natürlichen Verlauf unserer Entwicklung sind.  Ich glaube, um den nächsten Schritt in der Evolution der Menschheit zu vollziehen, ist es sehr wichtig, ein ethisches und respektvolles Handeln gegenüber Menschen, Tieren, Pflanzen und dem Planeten als Ganzes zu etablieren.  Dieses Handeln ist die Sanatana Dharma, die ewige Wahrheit, die durch die Yama – Niyamas in die Schöpfung hineinwirkt und uns zur nächsten Stufe unserer Evolution, bzw. zur nächsten Stufe des Erwachens des Selbst, führen wird.

Die schöpferische Qualität des Selbst
 
Möglichst viele Individuen müssen realisieren, dass sie die Macht haben, den Zustand der Schöpfung zu gestalten. Dass die Schöpfung, wie wir sie erfahren, nicht von äußeren Umständen geprägt wurde, sondern allein durch die Art und Weise, wie wir als ‚Menschen‘ gehandelt haben, und dass auch nur wir die Macht haben, diese Situation zu verändern. Durch die Befolgung der Yamas – Niyamas übernehmen wir die Verantwortung für den Zustand der Schöpfung und sind in der Lage, sie nach unserem Willen zu verändern. Das ist die schöpferische Qualität des Selbst! In dem Maße, wie Individuen, jede/r Einzelne von uns, diese Verantwortung realisiert und annimmt, nähern wir uns dem Ziel unseres evolutionären Weges: dem endgültigen Erwachen.
 
Krisen gehören zum Wachstum.

Sie sind Übergangsgeschehnisse und unbestechliche Spiegel in Zeiten der Veränderung. Individuell und auch global.  Auch die Geburt ist nicht einfach und sie ist mit Schmerzen verbunden. So ist es auch mit der Geburt in eine neue Zeit.  Nur dass wir es jetzt selbst in der Hand haben, wie groß der Geburtsschmerz sein wird. Wenn wir uns der Situation hingeben, die damit verbundenen Beschwerlichkeiten als notwendige Durchgangserfahrung annehmen und im Rahmen unserer Fähigkeiten versuchen, andere gut zu behandeln, wird diese schwierige Krisenzeit zum Geburtsprozess in eine bessere Zukunft für uns selbst, alle Wesen und den gesamten Planeten sein.
 
In dieser Krisenzeit leiden viele Menschen unter Angst.

Angst, selbst zu erkranken, oder dass andere geliebte Menschen erkranken könnten. Andere haben finanzielle oder berufliche Zukunftsängste. Oft ist die Haushaltskasse leer, und es ist unklar, wo morgen das Geld für Lebensmittel und ausstehende Rechnungen herkommen soll.  Aber dieser nächste Tag ist noch nicht da, und niemand kann im Voraus wissen, wie er tatsächlich sein wird.
 
Das ist die Natur angstvoller Gedanken: sie beschäftigen sich mit Dingen, die sein könnten, aber real noch nicht sind. Oft sind die Ängste schlimmer, als die Wirklichkeit. Eine reale Situation bietet immer auch Möglichkeiten für Lösungen, wohingegen Ängste nur die negativen Seiten einer Situation in den Fokus bringen und Lösungen nicht in Betracht ziehen. Es ist sehr wichtig, die wahre Natur von Ängsten zu durchschauen. Wenn wir erkennen, dass ängstliche Gedanken in eine ungewisse Zukunft gerichtet sind, also nicht jetzt real, wird der Blick für die Gegenwart frei, die oft völlig anders ist.
 
Ängste sind wie Schatten an der Wand. In dem Moment wo wir nicht mehr wie gebannt auf den riesigen Schatten starren, erkennen wir die kleine Fliege, die auf unserer Lampe sitzt. Deshalb ist es in unsicheren Zeiten wie dieser sehr wichtig, aufmerksam für das zu sein, was jetzt ist. Zum Beispiel: „Jetzt scheint die Sonne an einem schönen Tag. Jetzt höre ich das Zwitschern der Vögel und bin angenehm träge und satt. Was Morgen sein wird, das weiß ich nicht. Aber jetzt geht es mir gut!“ Oft sind die Gedanken so auf das möglicherweise Kommende fixiert, dass der jetzige Augenblick nicht mehr wahrgenommen wird.
 
Gedanken sind in ständigem Wandel.

Wenn Du sie eine Zeit lang beobachtest, wirst Du bemerken, wie flüchtig sie sind. In einem Augenblick erscheint das Leben schwer und hoffnungslos, im nächsten Moment kreisen die Gedanken um Unwichtigkeiten, um sich dann wieder einem anderen Thema zuzuwenden. Gedanken kommen und gehen in einem ewigen Wechsel.  Nur wenn Du sie ergreifst, verweilen sie. Wenn du dich vom Einfluss trüber Gedanken befreien willst, musst du realisieren, dass sie dich nicht besitzen, sondern dass du selbst sie festhältst.

Atmen.

Eine Technik, um dich vom Einfluss dunkler Gedanken zu befreien ist es, jeden Tag eine Zeit lang innezuhalten und bewusst zu atmen. Obwohl er unser ständiger Begleiter ist, schenken wir unserem Atem sehr wenig Aufmerksamkeit. Dadurch bemerken wir nicht, dass jeder Gedanke und jedes Gefühl von einem entsprechenden Atemrhythmus begleitet ist. Wie eng die Verbindung zwischen Atem und Gedanken ist, kannst Du leicht erfahren, indem Du einen Moment den Atem anhältst und die Aufmerksamkeit auf Deine Gedanken richtest.   
 
Eine einfache Übung für dich:

Suche Dir für die folgende, sehr einfache Übung einen ruhigen Platz und setze dich dort aufrecht hin. Es kann auf einem Kissen, oder auf einem Stuhl sein.
 
Schließe Deine Augen und richte Deine Aufmerksamkeit auf Deinen Atem.
Atme durch die Nase langsam ein. Zähle dabei: 21, 22, 23.
Bei 23 atme entspannt aus. 21, 22, 23. Dann atme wieder ein: 21, 22, 23.
Atme bewusst und entspannt ein und wieder aus.
Du kannst die Zeit der Ein- und Ausatmung verlängern oder verkürzen. Wichtig ist, dass die Übung für Dich angenehm und entspannt möglich ist. 
Mache diese Übung für jeweils 10 bis 15 Minuten nach dem Aufstehen und vor dem Schlafengehen.
Wenn Gedanken auftauchen, folge ihnen nicht. Sei ihrer gewahr und denke ‚Gedanken‘! Atme weiter bewusst. Die Gedanken werden vergehen.
Auf diese Weise kannst Du dich vom Einfluss von Ängsten und negativen Gedanken befreien. Gedanken kommen und gehen. Wenn Du sie nicht ergreifst, haben sie keinen Einfluss auf dich. Diese Übung wird Dir helfen, gut durch diese schwierige Zeit zu kommen.
 
Wir verlassen das Zeitalter der Trennung und betreten das Zeitalter der Zusammengehörigkeit. Es ist wunderbar, das miterleben zu dürfen. Der Übergang in diese neue Epoche der Menschheit wird nicht leicht sein, aber dies ist der natürliche, nächste Schritt in der Evolution der menschlichen Rasse.

 

Du bist das Ziel der Evolution! Sie hat bei Dir begonnen und dort wird sie enden!
Noch drei Schritte sind zu tun. Aber nur noch einmal musst Du Deinen Willen benutzen.

 

Narayana

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