Werner Plate
Werner Plate

Die Sanatana Dharma – die ewige Wahrheit ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­

Brief vom 16. April 2020


Bei meinen Spaziergängen mit unserem Hund geht mir so Allerlei durch den Kopf. Manchmal ärgere ich mich darüber, dass ich wieder mit dem Fluss der Gedanken geschwommen bin, anstatt die wunderschöne Natur um mich herum zu genießen. Zu anderen Zeiten liebe ich es, in die erhellenden Tiefen fokussierter Gedanken zu versinken.
In diesen Zeiten drehen die Gedanken vieler Menschen, auch meine eigenen, um die derzeitige Coronapandemie, die alle Menschen auf diesem Planeten mit völlig neuen Lebensumständen konfrontiert. 
 
Ich dachte an den Satz. „Wer andere liebt, hält Abstand von ihnen.“  Ein sehr wahrer Satz unter diesen besonderen Umständen. „Hoffentlich schreibt diesen Satz kein religiöser Mensch in sein Weisheitsbuch“, dachte ich, „sonst wird er in fünfzig oder hundert Jahren unter Umständen zu einem religiösen Gebot.“  Mir wurde etwas übel bei diesem Gedanken. Wieviel Unheil eine Wahrheit anrichten kann, die unter gewissen äußeren Umständen angebracht ist - aber eben nur unter diesen Umständen. Wird es zu einer allgemeingültigen religiösen Wahrheit, kann es das menschliche Leben pervertieren und großes Leiden anrichten.
 
Wenn ein Religionsgründer wie Jesus Christus zu Petrus, einem seiner damaligen Jünger sagte: „Du bist Petrus; und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde (Versammlung, Kirche) bauen.“ Meinte er damit, dass nur Männer Priester sein dürfen? Vor zweitausend Jahren war eine völlig andere Zeit wie heute, eine männerdominierte Welt. Was würde Jesus heute sagen? Wenn ich denke, wieviel mehr Frauen, Seminare des persönlichen Wachstums besuchen, als Männer, hätte er heute sicherlich überwiegend Jüngerinnen. Ist diese Sitte ein Ausdruck einer ewigen Wahrheit oder ein Überbleibsel einer längst vergangenen Zeit und ohne Verbindung und Wahrheit zu den heutigen Umständen?  Meiner Meinung nach ist das keine ewige Wahrheit, wird aber von Menschen zur ewigen Wahrheit gemacht. Letztendlich wird die Allgegenwärt Gottes auf diese Weise verneint und in die Vergangenheit verbannt.
 
In anderen Religionen wird Schweinefleisch als unrein betrachtet. Das stimmte sicherlich in vergangenen Zeiten. Ich erinnerte mich an eine Reise nach Südindien. Ich lebte in einer kleinen Hütte aus getrocknetem Kuhdung.  Von meiner Toilette führte eine Rutsche direkt in den Schweinstall. Nie werde ich die blauen, erwartungsvollen Augen vergessen, die mich bei jedem Toilettengang begleiteten. Es war schön zu erleben, wieviel Freude ich anderen Wesen mit meinen Ausscheidungen machen konnte.  Ich ging sehr gerne auf diese Toilette, aber das Fleisch dieser Schweine wollte ich um keinen Preis essen. Wie lange sind Toiletten schon Gemeingut? Noch nicht besonders lang. In einigen Ländern bis heute nicht. Zu Zeiten als diese Regel wahr war, war es tatsächlich nicht empfehlenswert, Schweinefleisch zu essen. Schweine vegetierten nicht in Hochleistungsställen, sondern liefen vielerorts frei herum. Sie fraßen, was sie fanden und waren dabei nicht besonders wählerisch.  Das Fleisch unserer heutigen, in Massentierhaltung qualgezüchteter Schweine hat mit dem damaligen Schweinefleisch nichts zu tun.  Damals war es ein sehr guter Rat, kein Schweinefleisch zu essen, heute ist er völlig sinnlos. Kein Ausdruck religiösen Glaubens, sondern Zurückgewandtheit. Eine Verneinung des Jetzt. Keine ewige Wahrheit.
 
Im Laufe seines Lebens durchläuft jeder Mensch natürliche Entwicklungsstufen. Kinder haben andere Interessen und Verhaltensweisen als Erwachsene. Es gibt aber auch Erwachsene, deren Entwicklung auf der Stufe eines Kindes stehengeblieben ist.  Möglicherweise durch traumatische Erfahrungen in der Kindheit. Aber Entwicklung ist ein natürlicher Prozess, der durch eine Veränderung der Lebensweise wiederbelebt werden kann.
 
Falschverstandenes Wissen um die unterschiedlichen Entwicklungsstufen kann leicht zu einem starren Kastensystem führen, das das Leben von Menschen schon von Geburt an einschränkt. Die Qualitäten eines Menschen werden nicht an seinen Fähigkeiten gemessen, sondern an der Gesellschaftsschicht, in die er hineingeboren wurde und in der er sein ganzes weiteres Leben bleiben muss. Durch falsches Verständnis grundsätzlicher Wahrheiten kann großes Unheil, Schmerz und Irrealität hervorgerufen werden. Beruhen diese Dogmen auf Wahrheit? Oder sind es falschverstandene Wahrheiten längst vergangener Zeiten? An vielen Regeln wird festgehalten, um verkrustete, längst überholte Machtstrukturen aufrechtzuerhalten.
 
Mir fielen noch viele Beispiele nicht-ewiger Wahrheiten ein. Aber was sind ewige Wahrheiten? Wahrheiten, die heute genauso wahr sind, wie vor tausend Jahren und die in tausend Jahren noch immer wahr sein werden? Mir kamen die Yamas und die Niyamas in den Sinn. Diese Lebensregeln der alten Wahrheitssucher waren vor Tausenden von Jahren wahr, sie sind heute wahr und werden auch in tausend Jahren noch wahr sein.
 
Die Yamas und die Niyamas sind Lebensregeln für Individuen. Es sind keine Gesetze, um das gesellschaftliche Miteinander zu regeln, sondern eine Lebensweise, die in Einklang mit unserer wahren Natur ist. Dadurch entsteht eine förderliche Situation für die individuelle Entwicklung und für das Erwachen des Selbst.
 
Jeder Mensch ist einzigartig in Körper, Persönlichkeit und individueller Bewusstheit.  Mittelpunkt eines vollkommen abgeschlossenen Universums. Diese Einzigartigkeit macht den Menschen zum Ebenbild Gottes. Gott ist die Gemeinschaft körper- raum- und zeitloser, unteilbarer, gleicher Individuen. In der Erfahrung vollkommener Symmetrie erfährt sich jedes Individuum als den ‚einen‘ Gott. Genau dies erfährt auch ein achtsamer Mensch in jedem Augenblick seines Daseins.  
 
Jedem einzelnen von uns haben die frühen Wahrheitssucher die Yamas und die Niyamas gegeben, und jedes Individuum hat nur die eine Aufgabe: sie im Rahmen der eigenen Fähigkeiten zu leben. Würden diese einfachen Richtlinien auch nur im Ansatz von jedem Individuum umgesetzt, wäre diese Realität eine völlig andere. Niemand anders kann diese Aufgabe für uns übernehmen. Dies ist der ultimative Weg zur Verbesserung unserer Beziehung und zur letztendlichen Befreiung.
 
Die Yama – Niyamas hören sich sehr einfach an, doch es ist wichtig, über jede dieser Regeln tief zu reflektieren. Ich habe zu jeder Regel ein paar spontane Gedanken geschrieben, aber die sind nur die Oberfläche dieses Ozeans der Wahrheit.  Auch die Yamas und die Niyamas folgen den fünf Stufen des Erwachens. Die sechste und siebte Stufe ist nicht willentlich. 
 
 
Die Yamas:
 
1. Verletze andere nicht!
In welcher Welt würden wir leben, wenn Menschen diesem Rat folgen würden.  Wir kommen nicht in eine jenseitige Hölle, wenn wir ihn nicht befolgen, wir erschaffen aber die Hölle auf Erden. Ob es eine jenseitige Hölle gibt oder nicht, darüber streiten die Gelehrten. Aber das unzählige Menschen auf diesem Planeten Höllenqualen erleiden, weil andere diesen Rat nicht beachten, ist für jeden, der es sehen will, offensichtlich. Es ist auch offensichtlich, dass diese Wahrheit nie vergehen wird und immer gültig ist. Ist es wichtiger, andere gut zu behandeln, oder kein Schweinefleisch zu essen?  Es ist doch völlig absurd, dass sich Menschen für Gottesnah halten, weil sie kein Schweinefleisch essen und gleichzeitig ihre Mitmenschen schlimmer behandeln als leidende Zuchtschweine.
 
2. Lüge nicht!
Dieser Rat ist gerade heute besonders wichtig. Wieviel Unheil wird durch Lügen angerichtet.  Sogar Menschen in den höchsten und verantwortungsvollsten Positionen, haben keine Hemmungen zu lügen, wenn es ihren Zielen nutzt. Die Welt wird heute mit Lügen geflutet, sodass jedes Vertrauen verloren geht. Lügen zerstören unser Zusammenleben, unser Vertrauen in die Welt und in unsere Mitmenschen. Sie verwandeln das Leben, das so schön sein kann, in eine Hölle des Misstrauens und des Egoismus.
 
3. Stehle nicht!
Würden wir in einer Welt leben, in der diese drei einfachen Regeln befolgt würden, könnten wir nachts bei offener Tür schlafen. Wir könnten unser Wissen austauschen, ohne uns um Copyrights, Patente oder andere unnötige Dinge kümmern zu müssen.  Diebstahl ist Alltag geworden. Banken und Regierungen bestehlen die Menschen, die ihnen vertrauen. Staatsgebilde existieren, die nur dazu dienen, einer kleinen Gruppe von Dieben, die Taschen zu füllen. Die Menschen, die unter ihnen leiden, leben in Armut und Krankheit, während die Diebe das Geld der Gemeinschaft verprassen.
 
Jeder Mensch hat heute Zugang zu Wissen und kann erfahren, welche Auswirkungen es hat, wenn einfache, grundsätzliche Regeln des menschlichen Zusammenlebens nicht befolgt werden. Ist es im Angesicht dieses Leidens nicht völlig unwichtig, ob ein Mann oder eine Frau Priester ist? Oder ob jemand von einer Jungfrau geboren wurde? Was ist wichtig? Was ist ewige Wahrheit und was ist individuelle Wahrheit? Wo ist die Liebe, die von allen Religionen so sehr eingefordert wird?
 
4. mäßige deinen sexuellen Ausdruck
Sexuelle Begierde ist ein grundlegender Trieb, der der Arterhaltung und der Evolution der Rasse dient. Sexueller Austausch zwischen Menschen ist mit angenehmen Empfindungen verbunden. Das ist notwendig, damit der Transport von Samen auch tatsächlich geschieht. Menschen, die diesem Bedürfnis blind folgen, sind wie Fische, die ohne nachzudenken nach dem Wurm beißen, letztendlich aber nur ihr eigenes Vergehen beschleunigen. Sexualität erwacht, wenn in einem Körper der evolutionäre Prozess abgeschlossen ist und in einem neuen Körper fortgesetzt werden soll. Ist ein neuer Körper geschaffen, geht es darum, diesen zu betreuen, bis er selbst lebensfähig ist. Dann kann der alte Körper vergehen. Das ist der natürliche Lauf der Dinge. Sexuelle Energie ist ein mächtiges Werkzeug der Natur. Wir können ihr Sklave sein und aufgebraucht werden, wie ein nutzloses Werkzeug, oder diese Kraft für uns nutzen. Um zu erfahren, wie wertvoll diese Energie für unser Leben sein kann und zu lernen, sie zu lenken, müssen wir eine gewisse Kontrolle über sie erlangen. Das tun wir, indem wir nicht beim ersten Auftauchen, sexueller Begierde dem Trieb nachgeben, sondern diesen Ausfluss von Kraft in Rahmen unserer Fähigkeiten etwas zurückhalten. Dadurch sammelt sich sexuelle Energie in uns an und kann für die unterschiedlichsten Ziele im Leben eingesetzt werden. Die Fähigkeit, sexuelle Energie ansteigen zu lassen kann soweit anwachsen, dass die evolutionäre Entwicklung des Körpers wieder fortgesetzt wird. Dies ist die höchste Form des Yoga.
 
Es ist auch wichtig, den sexuellen Ausdruck zu mäßigen, da wir sonst durch den sexuellen Trieb, der keine moralischen Grenzen kennt, dazu gezwungen werden können, andere zur Befriedigung unserer Begierde, zu missbrauchen.  Das Einhalten dieses Yama ist im Yoga sehr wichtig, da es die Quelle der Energie des Yoga ist.
Es kommt erst an vierter Stelle, weil eine Meisterschaft über die sexuelle Begierde erst möglich ist, wenn wir uns in den ersten drei Yamas verbessert haben.
 
5. Begrenze Deinen Besitz
Wenn kreative Energie ansteigt, erhöht sich unsere Fähigkeit, im Leben erfolgreich zu sein. Dinge, die wir uns erträumen, werden erreichbar. Aber was brauchen wir zum Leben? Was und wieviel ist wirklich notwendig?  Die Yama und Niyamas dienen dazu, unsere wahre Natur zu verwirklichen - Gott zu erfahren. Wenn wir mit ihrer Hilfe erfolgreich leben lernen, ist die Gefahr groß, uns im materiellen Erfolg zu verlieren und das wahre Ziel unserer Suche zu vergessen. Deshalb ist es wichtig, nicht mehr zu besitzen, als wir wirklich brauchen. Gelingt das, können wir auf dem Weg der Befreiung voranschreiten.
 
Die Yamas und die Niyamas ensprechen den beiden zentralen Herangehensweisen an das Leben. Die Yamas sagen uns, welche Handlungen wir einschränken sollten, die Niyamas sagen uns, was wir tun sollten. 

Niyamas
 
1. Reinheit
Reinheit bedeutet Unvermischtheit.
Reinheit betrifft viele Bereiche des Lebens. Den Körper, die Sprache, das Lernen, die Umgebung, die Ernährung, usw.
 
Wenn Reinheit Unvermischtheit bedeutet, dann ist industriell erzeugte Nahrung unreine Nahrung. Der ursprünglichen Nahrung werden Farbstoffe, Aromen, Konservierungsstoffe, Geschmacksverstärker hinzugefügt.  Stoffe, die den natürlichen Geschmack und Gehalt eines Nahrungsmittels verfälschen. Alle Stoffe, die wir dem Körper hinzufügen, verändern seine Befindlichkeiten. Unreine Nahrung kann ihn krank machen.
 
In einer Zeit weltumspannender Kommunikation, werden wir von Informationen überflutet. Bevor wir eine Information empfangen und verstanden haben, tauchen neue Informationen auf und verbinden sich mit der ursprünglichen Information zu einem, oft schwer verdaulichen Gemisch. Dadurch wird es schwierig, einer Lehre zu folgen, und bis zu ihrem innersten Kern vorzustoßen.  Auch Krisen sind Teil einer Wahrheitssuche. Eine Krise bedeutet, dass wir das Gefühl haben, auf einem einmal eingeschlagenen Weg, nicht erfolgversprechend fortschreiten zu können. Da bietet es sich an, andere Lehren und Methoden mit der ursprünglichen Methode zu vermischen. Sogar wenn sich dadurch eine Krise löst, ist es kein wirklicher Fortschritt, weil der ursprüngliche Weg an Kraft eingebüßt hat und nicht mehr ernsthaft verfolgt werden kann. Dies verlangsamt unser Wachstum und bringt es unter Umständen ganz zum Stillstand. Reinheit hilft uns ausdauernd und zentriert einem Weg zu folgen.
 
2. Einfachheit
Einfachheit bedeutet unkompliziert zu sein. Das kann die Kleidung betreffen, den Lebensstil, Partnerschaften, die Ernährung, usw.
Kleidung soll den Körper bedecken, ihm Schutz, Wärme oder Kühlung spenden. Einfache Kleidung ist zweckmäßige Kleidung. Viele Menschen verbringen viel Zeit mit ihrem Äußeren und ihrer Kleidung.
Auch in ihren Beziehungen haben viele Menschen die Einfachheit verloren. Die Ansprüche an den Partner oder die Partnerin sind fast unerfüllbar hoch. Aber was ist das Wesentliche einer Partnerschaft? Nimm dir Zeit, darüber zu nachzudenken.
Einfachheit hilft uns, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren.  Das Leben vergeht schnell, und die Zeit, die uns zur Verfügung steht, ist wertvoll. Wollen wir die Wahrheit finden, sollten wir keine Zeit mit Unwesentlichem vergeuden.
 
3. Zufriedenheit
Zufriedenheit ist nicht davon abhängig, ob ein Ziel erreicht wird, der richtige Partner gefunden oder materielle Güter angeschafft werden. Wenn ein ersehntes Ziel erreicht wird, tritt ein Gefühl der Befriedigung ein. Aber diese Befriedigung ist vergänglich. Schon bald erwachen wieder das Begehren und das Gefühl von Unvollkommenheit. Zufriedenheit bedeutet, dass zu wollen, was wir haben. Genügt das nicht? Brauchen wir wirklich mehr? Solange wir noch glauben, dass durch Dinge, Menschen und äußere Umstände, Zufriedenheit erlangt werden kann, solange werden wir nur vorübergehende Befriedigung erfahren. Zufriedenheit ist eine Fähigkeit, die wir erst entwickeln können, wenn wir sie nicht länger von den äußeren Umständen abhängig machen.
 
4. Studium der Wahrheit
Die Wahrheit von der hier gesprochen wird, ist jetzt hier. Es ist die Wahrheit über uns selbst, Andere, Leben und Gott. Welche anderen Wahrheiten könnten für uns wichtig sein? Nur wenn wir wissen, wer wir wirklich sind, können wir sinnvoll leben.  
 
Sind wir materielle, biologische Mechanismen? Feinstoffliche Wesenheiten verbunden mit einem Körper? Träume? Folgen wir nur Automatismen oder sind wir freie Wesenheiten? Welche Wesenheiten sind gemeint? Viele Religionen sprechen von Gott. Wer oder was ist damit gemeint. Ist Gott ein Außerirdischer?  Männlich, weiblich, ein Ding? Eine Wesenheit?  Was für einen Sinn macht Religion, wenn nicht klar ist, was mit Gott überhaupt gemeint ist. Oder ist Gott eine menschliche Erfindung? Wenn das so ist, was sollen diese Religionen?
 
Die meisten Menschen stellen sich diese grundlegenden Fragen nicht. Sie besuchen Gottesdienste und reden von Gott, ohne auch nur die geringste Idee zu haben, wovon sie überhaupt sprechen.  Wie ist das möglich? Sie fragen nicht! Weil sie nicht fragen, wissen sie nicht, dass sie nicht wissen.  Dieses Zustand erzeugt ein scheinbares Wissen, wahre Unwissenheit. Würden sie die Fragen stellen, würden sie nach kürzester Zeit wissen, dass sie all das nicht wissen. Wenn Menschen das Ausmaß ihrer Unwissenheit zulassen könnten, bliebe nur eine wichtige Sache zu tun: nach Antworten auf diese Fragen zu suchen. Ansonsten ist Leben nur ein Tasten durch die Dunkelheit, ohne das Ausmaß dieser Dunkelheit, auch nur zu erahnen.
 
Studium der Wahrheit ist kein Buchstudium, es ist die Untersuchung von Leben in jedem Augenblick.  Wenn es eine Wahrheit unserer selbst gibt, dann ist sie jetzt in diesem Augenblick hier.  Wenn du sehr offen, sehr achtsam, sehr behutsam, sehr aufmerksam und ausdauernd, alle Vorgänge beobachtest, die jetzt sind, wirst du dich Schritt für Schritt, deiner Wahrheit annähern. Studiere erst Bücher, wenn du sicher bist, etwas gefunden zu haben, um zu vergleichen, nicht um, etwas zu erfahren. Erfahren kannst du die Wahrheit nur selbst. Erst dann wirst du wissen. Studium der Wahrheit ist das Studium des Lebens. Deshalb verliere dich nicht an der Oberfläche der Dinge, sondern tauche mutig in die Tiefen des Lebens ein.
 
5. Hingabe an Gott
der Wille ist die zentrale Kraft, die uns im Leben antreibt. Auch die Wahrheit suchst du mithilfe deines Willens. Wenn dir die Allgegenwart der Willenskräfte bewusst wird und du erkennst, dass du sie niemals beherrscht hast, wirst du wissen, dass es nicht dein Wille war, der dich bisher geleitet hat. Es ist schwer, vertrauensvoll zu sein.  Schon zu oft bist du enttäuscht worden. Es ist sehr anstrengend, selbst zu leben. Wieviel leichter hat es ein Kind, das vertrauensvoll den Eltern folgt.  Es weiß, dass sie für sein Wohl sorgen und es niemals verlassen werden? In dem Maße, in dem du dich der Führung Gottes hingibst, in dem Maße wird dein Leben leicht und sorgenfrei. Du musst nicht mehr darüber nachdenken, was du zu tun hast, du musst nur dem Weg folgen, der dir gezeigt wird. Dieser Weg führt dich an dein höchstes Ziel.
 
Die Yama und Niyamas sind die Sanatana Dharma, die ewige Wahrheit. Sie sind nicht Teil davon. Dies sind 10 einfache Regeln. Würde jeder Mensch versuchen, sie so gut es geht zu beherzigen, würden wir das Paradies erschaffen.
 
Wenn du die Wahrheit suchst, ist es sehr wichtig, Milch und Wasser zu unterscheiden. Wasser ist klar und lässt dich bis zum tiefsten Grund blicken. Milch ist undurchsichtig. Du musst nachdenken, was dort verborgen sein könnte.  Das ist der Unterschied zwischen zeitloser, unvergänglicher Wahrheit und momentanen Wahrheiten, die von uns erhalten werden können, die uns aber auf der Suche nach der letztendlichen Wahrheit zum Hindernis werden. 
 
Die alten Yogis versprechen große Kräfte und ein erfolgreiches Leben durch die Befolgung der Yamas und der Niyamas. Der einzige Weg, herauszufinden, ob das wirklich wahr ist, ist es, zu versuchen, sie zu befolgen. Treten die versprochenen Ergebnisse nicht ein, versuche etwas anderes.  Ich sage: Das ist der Weg zur Glückseligkeit!


Liebe Grüße,
Narayana

 

 

 

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